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Podencospaziergang

Podencospaziergang am 28. Februar 2010

Vor 8 Jahren fing alles beim Verein PAWS an, als ich auf der Suche nach einem anderen Hund
war, den ich zusätzlich zu meinem Whippet aufnehmen konnte. Übers Internet wollte ich
verantwortungsbewusst einen Hund aus dem Tierschutz aussuchen, und da war Bellabelle, ein
5-monatiger Welpe, Galgo-Podencomischling. Nun, ich wusste, was ein Galgo war, und der Rest
war mir wurscht...

Mittwoch angerufen, Hund schnell noch mit in den PAWS-Transport aus Spanien, und Samstag
konnte ich Bellabelle in Eindhoven abholen. In meiner Umgebung haben so einige Hundekenner
und –trainer nach einem Burnout das Handtuch geworfen, weil sie versuchten, mich und meinen
Hund, einen Podencomischling, zu unterrichten. Über allerlei Umwege erfuhr ich dann, dass
mein Problem einen Namen hatte: ja, genau, ein deutlicher Fall von Podenco! Endlich
Anerkennung, und das ist schon die halbe Miete.
Jahre, in denen ich stundenlang im Auto auf Parkplätzen gewartet habe, bis mein Hund zurück
kam, ohne Hund nach Hause und dann abends noch mal zurück zu der Stelle, wo ich ihn zuletzt
gesehen hatte, letztendlich ungezügelter Freilauf - sie weiß, wo sie wohnt und wird schon
zurückkommen, wenn sie Lust dazu hat -… all die Stadien, die man als Podencobesitzer
durchläuft, habe auch ich durchlaufen.
Als erfahrener Podencobegleiter, ohne jemals noch das Bedürfnis zu haben, mich „Herr(chen)
und Gebieter“ über so ein Tier zu fühlen, kann ich sagen, dass der Podenco meine große
Liebe geworden ist.
Als ich Jahre später durchs Internet surfte, sah ich die abgemagerten Tanusu, Garaje,
Flecha und noch viel mehr Podis und dachte nach 8 Jahren: ist es wirklich so schlimm um
diese außerordentlich sensiblen Hunden gestellt? Weil meine Vellah (ehemals Bellabelle)
mich schon mal vor einer Rauchvergiftung gerettet und mich auch vor anderen Katastrophen
bewahrt hatte, fand ich, dass ich mich revanchieren sollte. So wurde ich bei Honden zonder
Toekomst (Hunde ohne Zukunft) zur Pflegemama bombardiert und dachte mir, dann feiere ich
meinen Geburtstag ausschließlich mit Podencos.

Wir Podibesitzer fühlen uns oft einsam zwischen den anderen Hundemenschen, weil wir die
Podis zwar “haben”, sie aber keinesfalls besitzen.
Daher mein Aufruf zu einem freundschaftlichen Treffen in Schoorl, wobei Podencofreunde von
allen Vereinen die gemeinsame Liebe für diese Rasse miteinander teilen und wir endlich frei
über unsere Hunde reden können, ohne von anderen Hundemenschen schief angesehen zu werden.
Für uns ist es normal, um ohne Hund spazieren zu gehen (oder zumindest ist der Hund nicht
in Sichtweite). Für uns ist es nicht selbstverständlich, dass man, wenn man mit dem Hund
spazieren geht, auch mit dem Hund wieder nach Hause kommt.

Wir können unsere Hunde mit keinem Gassiservice mitgeben, weil sie nicht unbedingt beim
Rudel bleiben und die Leute vom Gassiservice nicht mit unseren Hunden umgehen können.
Unsere Wohnungen brauchen eine ganz besondere Einrichtung, die erfahrungsgemäß Podencoproof
ist oder das schnell wird.
Unsere Gärten sind nie so ordentlich wie die der Nachbarn.
Unsere Terminplanung kann sich tagtäglich spontan ändern, weil der Hund ganz andere Pläne
hat…
Unsere Hunde sind die sanftmütigsten und liebsten Hunde der Welt.
Unsere Hunde ergreifen Besitz von unserem Alltag, lassen uns ständig improvisieren, und das
machen wir gern.
Unsere Podis fördern etwas in uns Menschen zu Tage, das man wahnsinnig lieben lernt oder
was man absolut nicht ausstehen kann. Mit Podis gibt es keinen Mittelweg. Und nur
Podencomenschen (so was wie die grünen Marsmännchen und –frauchen) kapieren das.

Am 28. Februar 2010 von 12 Uhr bis 15 Uhr schüttete es wie aus Eimern. Aber alle haben sich
köstlich amüsiert beim Spaziergang! Alle Hunde hatten Freilauf, außer Sussy und Martina.
In Kürze, am Sonntag, dem 13. Juni, findet ein Podencotreffen in Amersfoort statt, das
wieder von Judy Kleinbongardt organisiert wird. Sie war damals mein „Mental coach avant la
lettre“, als sich herausstellte, das ich einen Podenco hatte…
Also: alle Podencomenschen, vereinigt euch und teilt eure enervierende Lebenserfahrung mit
Leuten, die keinen langweiligen Tag mehr kennen, seitdem sie einen Podenco oder
Podencomischling haben.

Meine Bellabelle hat inzwischen das Spürhundestudium aufgenommen, weil sie eine besondere
Veranlagung hat. Sie ist keine Kreuzung mit einem Galgo, sondern mit einem Pointer. Vellah
ist gegenwärtig mein Hundecoach für Hunde, die frisch aus der Perrera kommen. Ohne sie
könnte ich keine Hunde von Gran Canaria auffangen. Sie beruhigt sie, zeigt ihnen, was bei
den Spaziergängen so abgeht und strahlt Ruhe und Gelassenheit aus. Ich hoffe, dass meine
Vellah 28 Jahre wird, denn ich wüsste nicht, was ich ohne sie anfangen sollte.
Auch trainiert sie mein Pferd, das ziemlich heißblütig ist, und ich als unerfahrene
Reiterin schalte Vellah als Rudelführer ein. Sie kapiert das alles ohne Training, lotst
uns sicher durch Wald und Verkehr, und all das mit einem Big Smile auf ihrem Gesicht.
Niemand soll sagen, dass Podencos schwierige Hunde sind, unsere Gesellschaft ist schwierig,
aber ich habe einen Superhund. Lang lebe der Podenco!

Marije
Übersetzung: Judy Kleinbongardt

 

 

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